
Ich heiße Salma und wohne in der Stadtmitte von Moshi zusammen mit meiner Tochter Shannaiyah, die 7 Jahre alt ist und zur Schule geht. Ich bin Schneiderin und betreibe meine eigene kleine Schneiderei, „Shanisa Tayloring Fashion“. Mein Haus ist ebenerdig rund um einen Innenhof hinter meiner Schneiderei angesiedelt. Ein Zimmer vermiete ich an Freiwillige von World Unite! – nur Mädchen. Es ist sehr geräumig und hat eine eigene Dusche mit warmem Wasser. Die Toiletten sind in einem eigenen kleinen Gebäude im Innenhof, vor dem ich auf dem Foto stehe. Der Innenhof ist aber für niemand anderen zugängig ist als für die Leute, die hier wohnen. Das sind neben mir und Shannaiyah noch eine kleine Familie, die aus Ehemann, Frau und einem Baby besteht. Frühstück und Abendessen sind bei mir inklusive. Bis bald in Moshi!
10. August 2008

Viele unserer Programmteilnehmer auf Sansibar fragen uns nach den touristisch beliebten „Dolphin Tours“, bei denen man bei Kizimkazi im Süden Sansibars Delphine beobachten und auch mit ihnen schwimmen kann. So schön das Erlebnis für die Teilnehmer auch sein mag, so schädlich sind die Touristenmassen für die Delphine.
Das Marineinstitut der Universität Tansania führte schon 2003 eine Studie durch, die die Auswirkungen des Tourismus auf die Delphine in der Menai Bay untersuchte. Dabei wurde damals schon festgestellt, dass an vielen Tagen im Jahr, besonders während der Hauptsaison, die kritische Masse an Besuchern (also die Maximalzahl von Touristen, die noch akzeptabel sind, damit es keine gravierenden negativen Auswirkungen auf die Tiere gibt) überschritten wurde. Sie warnten damals schon davor, dass bei weiter steigenden Touristenzahlen die Delphine massiv gestört werden, so dass es vorhersehbar ist, dass sie Touristenboote meiden, auf Boote aggressiv reagieren und letztendlich die Bucht gänzlich verlassen werden. Seit 2003 ist der Tourismus auf Sansibar unaufhaltsam gewachsen und man kann davon ausgehen, dass die kritische Masse nun fast jeden Tag im Jahr (außer vermutlich während der Regenzeit) überschritten wird.
Neben den hohen Teilnehmerzahlen hat besonders das Verhalten der Anbieter – örtliche Fischer ohne besondere Kenntnisse der Delphine – einen negativen Einfluss:
• Sie benutzen einfache Holzboote mit Außenbord-Benzinmotor. Benzin und Öl wird unsachgemäß auf dem Boot gelagert und in den Motor eingefüllt und gelangt dadurch ins Meer. Die Motoren erzeugen großen Lärm über und unter Wasser
• Wenn die Bootsführer einen Delphin erspähen, verfolgen sie diesen, um möglichst nah ranzukommen. Mehrere Fischerboote kreisen auch einzelne Delphine oder kleine Gruppen von Delphinen ein, was diese in eine besondere Stresssituation versetzt
• Da die Delphine zu den Zeiten, zu denen die Touristenboote üblicherweise auftauchen oft schon gar nicht mehr erscheinen, bieten die Fischer ihre Delphin-Touren nun auch früh morgens direkt nach Sonnenaufgang oder abends an. Das heißt, die Delphine werden den ganzen Tag über gehetzt. „Touristenstress“ von mehr als 70 Minuten am Tag hat einen negativen Einfluss auf das natürliche Jungtieraufzucht,- Ernährungs-, und Entspannungsverhalten der Delphine (Bejder and Dawson, 1998).
Das Ministerium für Fischerei und Marinewirtschaft Sansibar gab darum einen Richtlinienkatalog heraus, um solche schädliche Verhaltensweisen einzudämmen. Da die Einhaltung nicht kontrolliert wird hält sich jedoch kaum ein Fischer daran. Es wurde auch 2005 die gemeinnützige Kizimkazi Dolphin Tourism Operators Association (KIDOTOA) gegründet, die Aufklärungskurse für die Anbieter solcher Touren durchführt. Jedoch gehören dieser Organisation nur wenige Anbieter an.
Damit solche Initiativen zugunsten der Delphine letztendlich funktionieren bedarf es Druck der Touristen. Solange diese mit der Einstellung kommen, sie wollen für ihr Geld Delphine unbedingt aus nächster Nähe sehen wird hier kein Delphin-Tour-Anbieter sein Verhalten verändern. Die Organisation SONAREC (Society for Natural Resources Conservation and Development) ist gerade darum bemüht, dass das Tourismusministerium von Sansibar international Aufklärungsarbeit in dieser Hinsicht betreibt und dass die Maximalzahlen an Besuchern pro Tag strikt reglementiert und kontrolliert werden. Die Touristenmassen können nur durch hohe Gebühren, die die Teilnehmer solcher Touren zu bezahlen haben verkleinert werden, die dann zum Erhalt der Küstenzonen Sansibars eingesetzt werden sollen.
Wir wollen alle unsere Teilnehmer darum bitten, bei den aktuellen Verhältnissen NICHT an den Delphin-Touren in Kizimkazi teilzunehmen. Eine bessere Alternative ist die „Safari Blue“, ein Ganztagesausflug per Segelboot durch die Menai Bay, bei der man wenn man Glück hat Delphine sehen kann, aber nicht um jeden Preis.
Mehr dazu:
http://www.diva-portal.org/su/opus/publication.xml?id=15696
http://gridnairobi.unep.org/chm/EAFDocuments/Tanzania/Dolphin_tourism.pdf
1. August 2008