„40 Jahre ohne meinen Sohn… das ist schwer!“

17. Mai 2009

Achtung: rührselige Story! World Unite! ermöglicht nach 40 Jahren Kontakt zwischen Vater aus Tansania und Sohn aus Deutschland

othman_and_hajj

40 Jahre lang suchte ein Deutscher seinen Vater – unser Mitarbeiter Hajj (rechts) fand ihn auf der grünen Insel Pemba im Indischen Ozean. An der Wand das alte Schwarzweißfoto, das zum Erfolg führte.

Im letzten Jahr kontaktierte uns eine Dame aus Deutschland mit einer ungewöhnlichen Anfrage. Beim Surfen im Internet fand sie unsere Website und las, dass wir Tätigkeiten auf der zu Tansania gehörenden Insel Pemba vermitteln. Sie wusste, dass der Vater ihres Halbbruders von dieser Insel stammte und in den 60-er Jahren in der damaligen DDR eine Landwirtschaftsschule besuchte. Tansania war damals ein „sozialistischer Bruderstaat“ der DDR und es fand ein reger Austausch junger Leute zwischen den beiden Staaten statt. Vom Vater ihres Halbbruders wusste sie nur den Namen „Othman“, sie hatte eine Postfachadresse aus den 60-er-Jahren vom Postamt in Chake Chake Town, dem einzigen Postamt der Insel, sie wusste, wann Othman in der Landwirtschaftsschule in der DDR war und sie hatte ein altes Schwarzweißfoto. Sie bat uns um Hilfe, „Otto“, wie sie ihn nannte, zu finden und damit ihren Bruder überraschen zu können. Nicht so leicht, mit so wenig Informationen – immerhin hat Pemba dreihundertausend Einwohner.

Dennoch schickten wir unseren örtlichen Betreuer auf Pemba, Hajj, auf den Weg, Othman zu finden. Hajj erste Idee war, das alte Foto auszudrucken und an verschiedenen Dörfern der Inseln mit einer Suchmeldung auszuhängen. Auch fragte er Menschen auf den Straßen in Pemba, die ein ähnliches Alter wie „Otto“ hatten, ob sie den Gesuchten vielleicht kannten. Dabei meinte ein älterer Mann, Othman zu kennen, aber er war sich ziemlich sicher, dass der Gesuchte vor mehr als zehn Jahren verstorben sei. Da auch von den Suchpostern keinerlei Rückmeldung kam war sich Hajj schon fast sicher, dass der ältere Mann Recht hatte. Auch die Suche über das Postfach verlief erfolglos, da auf Pemba keinerlei Postfach-Aufzeichnungen aus jener Zeit existierten.

Da das Radio das beliebteste Medium auf Pemba ist besuchte Hajj im Dezember 2008 die regionale Sendeanstalt und bat die Moderatoren eines beliebten Programms, die wenigen vorhandenen Informationen für die Suche nach „Othman“ vorzulesen – zusammen mit Hajj’s Mobiltelefonnummer. Dies geschah Ende des Jahres und Hajj lies sein Mobiltelefon Tag und Nacht eingeschaltet, um keinen Anruf zu verpassen. Doch keiner rief ihn wegen des Suchbeitrags im Radio an.

Da Othman eine Landwirtschaftschule besuchte hielt es Hajj für möglich, dass er vielleicht bei der Inselverwaltung des Landwirtschaftsministeriums bekannt sei. Und das war der richtige Ansatz! Beim Besuch Hajjs im Amt saß dort zufällig gerade ein ehemaliger Mitarbeiter herum, der eigentlich schon in Rente war. Er erkannte das Gesicht auf dem alten Schwarzweiß-Foto und war sich ziemlich sicher, dass der Gesuchte zusammen mit seinem eigenen Bruder in
den 60-er-Jahren in der DDR war. Er war sich auch ziemlich sicher, dass Othman noch lebte und zwar im Dorf Ole auf Pemba.

Also fuhr Hajj mit seinem Motorrad ins Dorf Ole, das etwa eine Stunde entfernt war. Im Dorf zeigte er das Foto Passanten auf der Straße, die ihm sagten, es handle sich um den Sohn von Othman! Dabei war auf dem Bild natürlich nicht der Sohn Othmans abgebildet, sondern Othman selbst, aber vor über 40 Jahren!

Hajj wurde zum Haus von Othman geführt und klopfte an die Türe. Othman öffnete und Hajj sagte ihm, dass er etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen hätte. Er wurde eingelassen und die beiden setzten sich an den Wohnzimmertisch. Hajj begann das Gespräch damit, Othman zu fragen, ob dieser schonmal außerhalb Tansanias war und Othman berichtete gerne, dass er als junger Mann in Deutschland war und bei einer netten Gastfamilie lebte. Hajj fragte, ob er noch in Kontakt zu Leuten in Deutschland stünde, aber Othman berichtete, leider nicht, denn seine vorherige, inzwischen verstorbene Frau auf Pemba war eifersüchtig, dass Othman Briefe von einer Frau aus Deutschland erhielt und warf alle Briefe aus Deutschland weg, sobald sie diese im Postfach in Pemba fand. Auch das Fotoalbum aus Othmans Zeit in Deutschland hatte sie weggeworfen.

Da nannte Hajj den Namen der Familie und der vorher gut gelaunte Othman war sichtlich geschockt und sah Hajj fragend an. Hajj setzte nach und fragte Othman, ob er einen Sohn in Deutschland hätte. Plötzlich platzte Othmans aktuelle Frau ins Zimmer, die sich vorher die ganze Zeit hinter einem Vorhang versteckt hatte und zuhörte. Sie war extrem wütend und fauchte Othman an, ihr die ganze Geschichte zu erzählen und Othman verneinte, einen Sohn außerhalb Pembas zu haben. Die Situation war sehr spannungsgeladen und Othman bat Hajj, das Haus zu verlassen. Beim Gehen zeigte Hajj Othman noch das alte Schwarzweißfoto, dass er von ihm ausgedruckt dabei hatte und es war dasselbe Foto, dass gerahmt an der Wand des Zimmers hing, in dem sie sich unterhielten! Wie gelähmt stand Othman da.

Am nächsten Morgen kehrte Hajj zurück zu Othmans Haus. Othman und seine Frau schienen schon auf ihn gewartet zu haben. Beide waren  nun ruhig und freundlich. Othman hatte seiner aktuellen Frau alles erklärt und die beiden sagten, sie hätten darum gebetet, dass sie eines Tages Othmans deutschen Sohn treffen können. Auch Othmans 6 Kinder aus Pemba seien schon sehr gespannt auf ihren deutschen Bruder.

World Unite! gab den beiden Familien in Tansania und Deutschland die jeweiligen Telefonnummern weiter und sie stehen nun gemeinsam in Kontakt. Noch im Sommer 2009 wird der Sohn aus Deutschland nach Pemba fliegen und Hajj wird ihn natürlich nach Ole Village führen. Wir werden hier im Blog erzählen, wie es weitergeht.

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1 Comment Add your own

  • 1. Anke Korte  |  18. November 2009 at 7:33

    Hallo liebes Team von World unite.
    Ich bin die Frau die die suche gestartet hat . Mein Bruder war noch nicht in Tansania dafür ist einer seiner Brüder hier in Deutschland bei uns. Ich möchte ihn von Herzen danken . Ich habe meinen Bruder lange nicht so glücklich gesehen. Ich werde ihnen in einiger Zeit mal ein paar Fotos senden. Als Dankeschön und wir werden die Geschichte weiter schreiben die sie angefangen haben. Nächstes Jahr werden wir alle nach Zansibar zu unseren Bruder fliegen . Wir haben mit unseren Bruder hier eine schöne Zeit verbracht er hat alles mit Bildern dokomentiert und wird diese zu seinen Vater bringen und von den Bruder und seiner kleinen Schwester berichten . In zwei Wochen habe ich etwas English und Suaheli gelernt. Ich weiß garnicht was ich ohne euch gemacht hätte . Vielen lieben Dank auch an Herrn Hajj der sich so viel Mühe gegeben hat und nicht den Mut verloren hat .
    Danke sagt Anke Korte aus Greiz

    Antworten

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